Muršili I. – Die frühen Jahre seiner Regentschaft

Dieser Beitrag ist der Erste einer voraussichtlichen dreiteiligen Reihe über das Leben von Mursili I., welche ich im Zuge meiner Recherchen für mein nächstes Buch erstelle.

Abstammung

Siegel von Muršili I.

Muršili war der Enkelsohn von Ḫattušili I., seinem Vorgänger auf dem Hethitischen Königsthron. Wer seine Eltern waren ist unbekannt und auch ob er in Mütterlicher oder Väterlicher Linie von Ḫattušili abstammte, lässt sich nicht mehr sagen.
Ḫattušili, welcher nicht sonderlich viel Glück mit seinen Erben hatte, bestimmte schließlich auf seinem Sterbebett in Kuššara seinen Enkel Muršili zu seinem Nachfolger, welchen er in diesem Zuge auch als seinen Sohn adoptierte.

Wie alt Muršili zu diesem Zeitpunkt war ist nicht überliefert, doch offenbar noch nicht alt genug um die Regierungsgeschäfte allein wahrnehmen zu können. Deshalb wurde von Ḫattušili Muršilis Onkel Pimpira als Regent bestellt. Es darf wohl angenommen werden das Muršili zum Zeitpunkt von Ḫattušilis Tod zwischen fünfzehn und achtzehn Jahren alt gewesen ist. Dass er kein bloßer Knabe mehr gewesen sein kann, sieht man daran, dass die Adelsgemeinschaft ihn seines guten Charakters wegen als einen würdigen Erben akzeptiert, als Ḫattušili ihnen Muršili präsentiert.
Aus der Zeit der Regentschaft sind uns keine Quellen erhalten geblieben.

Der Aufstand des Fürsten von Purušḫanda

Bereits kurz nach Muršilis offizieller Thronbesteigung scheint es zu einem Aufstand durch den Fürsten von Purušḫanda gekommen zu sein, welcher sich die Unterstützung einiger anderer Hethitischen Vasallen sichern konnte, offenbar mit dem Ziel den Thron in Ḫattuša zu usurpieren. Der Name des Fürsten von Purušḫanda ist nicht überliefert, ebenso wenig ob dieser seinen Thronanspruch durch Verwandtschaftliche Beziehung zur Kuššara Dynastie untermauern konnte.

Doch waren seine Ambitionen nur von kurzer Dauer. Sein Heer wurde im Felde geschlagen und kurz darauf erlag auch Purušḫanda dem Ansturm Hethitischer Truppen. Der Fürst von Purušḫanda und seine Familie fielen in die Hände des jungen Königs. Wenn man den Quellen glauben darf fügte Muršili seinen Gefangenen jedoch kein Leid zu und bestrafte den rebellischen Fürsten lediglich mit Verbannung.
Doch ist dies ein Hinweis darauf dass die Legitimität von Muršilis Herrschaft zu Beginn alles andere als gesichert war. Darin mag vielleicht auch der Grund liegen das er sich in sämtlichen Dokumenten stets nur als Ḫattušilis Sohn bezeichnete.

Der Ḫurriter Einfall

Wohl gerade einmal fünfundzwanzig Jahre mag es her gewesen sein, dass Muršilis Großvater eine Invasion der Ḫurriter hatte abwehren müssen, als sein Enkel sich erneut mit diesen befassen musste.
Erneut fielen die Ḫurriter nach Ḫatti ein und viele Städte entlang ihres Weges fielen, wohl aus Furcht vor Plünderung durch die Invasoren, von Muršili ab. Und auch wenn die Ḫurriter zunächst deutliche Erfolge verbuchen konnten, so stand ihre Invasion doch unter keinem guten Stern. Sie hatten eine Seuche mitgebracht, welche nicht nur ihre Streitkraft dezimierte. Auch zahlreiche ihrer Befehlshaber und sogar ihr König fiel dieser zum Opfer. Dennoch dauerte ihre Invasion vermutlich fünf Jahre an und am Ende drangen sie bis Ankuwa vor, welches gerade einmal drei Tagesmärsche von Ḫattuša entfernt liegt. Die genauen Ereignisse sind nicht überliefert.
Doch scheint Muršili sie dort endgültig aufgehalten und vernichtet zu haben, denn dies ist das letzte Mal das die Ḫurriter Erwähnung finden.

Quelle
Oguz Soysal: Muršili I. – Eine Historische Studie, Würzburg, 1989

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