Die Kaškäer, Teil 1

Die Kaškäer oder auch Kaška genannt, siedelten entlang der Schwarzmeerküste im pontischen Gebirge, nördlich des Hethitischen Einflussbereiches und spielten eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Entwicklung des Hethitischen Reiches.

Das Verhältnis zwischen den Kaškäern und Hethitern mag sich mit dem des Römischen Reiches und den Germanen vergleichen lassen. In den Hethitischen Quellen ergibt sich das Bild eines unkontrollierbaren Volkes, welches eine ständige Bedrohung für die Nordgrenze des Reiches darstellte. Selbst eine ständige Militärpräsenz und zahlreiche Kampagnen in von den Kaškäern kontrolliertes Gebiet, vermochte diese Bedrohung nicht gänzlich im Zaum zu halten und Siedlungen entlang der Grenze gerieten häufig unter die Kontrolle der Kaškäer und waren mehrmals in der Lage selbst das Gebiet um die Hauptstadt Ḫattuša herum zu bedrohen.

Quellenlage

Die Archäologischen Befunde aus der Region sind ausgesprochen spärlich und das meiste was wir über die Kaškäer wissen, wissen wir aus Hethitischen Quellen. Da es sich bei diesen selbstverständlich um Feindquellen handelt, müssen diese entsprechend behandelt werden.
Im wesentlichen können die vorhandenen Quellen in zwei Kategorien unterteilt werden. Zum einen haben wir Berichte über Feldzüge gegen die Kaškäer, zum anderen Abkommen, welche die Hethitischen Großkönige mit den Kaškäern geschlossen haben. Die meisten dieser Abkommen stammen aus der Regierungszeit von Arnuwanda I. und beinhalten den Austausch von Geiseln und Flüchtlingen, Militärische Bündnisse oder Vereinbarungen ökonomischer Natur.

Außerdem sollte angemerkt werden, dass sämtliche Quellen bezüglich der Kaškäer aus der Zeit des Neuen Reiches stammen.
In keiner der bedeutenden Quellen aus dem Alten Reich werden die Kaškäer erwähnt. Weder im Testament von Ḫattušili I., den Ammuna Annalen oder dem Telipinu Erlass gibt es Hinweise auf die Kaškäer, weshalb offen bleiben muss ob diese bereits zu jener Zeit Nachbarn der Hethiter waren, oder erst später ins pontische Gebirge eingedrungen sind. Das erste Mal erscheinen die Kaškäer in den Hethitischen Quellen während der Regierungszeit von Tudḫaliya I.

Lebensweise

Die Kaškäer scheinen in Stammesverbänden organisiert gewesen zu sein, welche einen nomadischen oder halbnomadischen Lebensstiel pflegten. Die Viehwirtschaft scheint eine zentrale Rolle im Leben der Kaškäer gespielt zu haben. Die Raubzüge der Kaškäer in das Gebiet ihrer südlichen Nachbarn scheinen zumeist das Ziel gehabt zu haben Schafe und Rinder zu stehlen.
Kaškäer scheinen zudem auch als Hirten in den Diensten der Hethiter gestanden zu haben und es gibt Vereinbarungen, in welchen den Kaškäern Weiderechte innerhalb des Hethitischen Reiches gewährt werden.

Eine nomadische und nicht dauerhaft sesshafte Kultur wäre eine Erklärung dafür, dass bisher so gut wie keine materiellen Überbleibsel der Kaškäer in der Region gefunden wurden.
Auf der anderen Seite gibt es in Hethitischen Quellen jedoch auch eindeutige Hinweise auf befestigte Städte der Kaškäer und das diese auch Landwirtschaft betrieben. So berichten die Hethitischen Quellen zum Beispiel über Tribute in Form von Getreide und Wein.
Allerdings scheinen die Kaškäer keine Schwierigkeiten damit gehabt zu haben ihre dauerhaften Siedlungen im Falle drohender Gefahr aufzugeben. Viele Hethitische Kampagnen gegen die Kaškäer verliefen erfolglos, weil sich diese mit ihrem Vieh und ihrem gesamten beweglichen Habe vor den herannahenden Hethitischen Streitkräften tief in die Berge ihrer Heimat zurückzogen, wohin ihnen die Hethiter nicht zu folgen vermochten.
Das Fehlen einer zentralen Autorität scheint dabei der ausschlaggebende Punkt gewesen zu sein, welcher es den Hethitern unmöglich machte die Kaškäer dauerhaft zu kontrollieren. Die Hethitische Taktik, bestehend aus Diplomatie und Eroberung, erwies sich im Falle der Kaškäer als Wirkungslos.

Über die Organisation der Stämme wissen wir ebenfalls nur wenig. Es scheint eine Institution, genannt „die Ältesten“ gegeben zu haben. Doch bleibt unklar was wir uns genau unter diesen vorstellen müssen. Neben diesen treten Militärische Befehlshaber in den Abkommen mit den Hethitern als Vertragspartner auf. All dies scheint auf eine recht egalitäre Struktur innerhalb der Kaškäer hinzudeuten.
Erst gegen Ende des Hethitischen Großreiches scheinen sich innerhalb der Kaškäischen Stämme stärker zentralisierte Autoritäten herauszubilden. Dies darf wahrscheinlich als eine Folge des intensiven Kontaktes und Austausches mit dem stark zentralisierten Hethitischen Reich gesehen werden. Ähnlich wie die Kultur des Römischen Reiches die Germanischen Stämme an seiner Grenze beeinflusste, beeinflusste auch das Hethitische Reich die sozio-politischen Strukturen der Kaškäer.
Ein Beispiel hierfür ist ein Mann namens Piḫḫuniya von Tipiya, welcher im siebten Jahr der Herrschaft Muršili II. den Königstitel annahm. Weiter wird berichtet, dass er drei Jahre später Kontrolle über das Obere Land erlangte und nach Zazišša vordrang und das Gebiet um Ištitina für sich als Weideland nahm. Piḫḫuniya solle fortan nicht mehr in der Weise der Kaškäer sondern wie ein König regiert haben.
Daraus lässt sich ableiten, dass sich die Hethiter des Wandels in der sozio-politischen Struktur der Kaškäer durchaus bewusst waren.

Quelle
Gerçek, Nebahat Ilgi: The Kaška and the Northern Frontier of Ḫatti, Michigan, 2012

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