Der Hethitische Totenkult, Teil 1

Der Tod im Leben der Hethiter

Die Hethiter unterschieden zwischen einem „Guten“ und einem „Schlechten“, einem vorzeitigen Tod. Starb ein Mensch jung, dann konnte die Schicksalsgöttin Gulšeš dafür verantwortlich gemacht werden.
In meisten Fällen wurde ein vorzeitiger Tod als Zeichen gesehen, dass die Götter über die Taten der Angehörigen des Verstorbenen verärgert waren. In einem solchen Fall versuchte man durch die Hilfe von Orakeln und Magischen Ritualen herauszufinden, was die Götter verärgert hatte und diese durch Gebete und Opfergaben zu besänftigen.

Das Konzept der Seele

In der Vorstellung der Hethiter hatten sowohl Menschen und Tiere, als auch die Götter einen Körper und eine Seele. Die Seele war der Sitz all dessen was den Menschen ausmachte. Seiner Gedanken, seines Willens und seiner Persönlichkeit.
Die Seele von Menschen und Göttern war, anders als die der Tiere, in der Vorstellung der Hethiter unsterblich und starb nicht mit dem Körper.

Nachdem Tod und der Trennung der Seele vom Körper, betraten die Toten das Jenseits als Geisterhafte Wesen. Wobei Geist und Seele in der Vorstellung der Hethiter nicht gleich gesetzt werden darf. Das Verhältnis zwischen Geist und Seele muss wohl ähnlich bewertet werden, wie das Verhältnis zwischen Geist und Körper.
Der Geist der Toten kann wohl in der Vorstellung der Hethiter als ein Immaterieller, jedoch sichtbarer Körper begriffen werden. Und die Geister der Toten waren damit im Stande in die Welt der Lebenden einzugreifen.
Die Geister von Toten, welche nicht ordnungsgemäß bestattet worden waren, oder keine Opfergaben erhielten, konnten die Lebenden heimsuchen und Unheil über diese bringen. Auch Hass und Bitterkeit konnte die Toten verleiten zurückzukehren und sich an den Lebenden zu rächen, weshalb man durch magische Reinigungsrituale versuchte die Geister der Verstorbenen von den Wohnstätten der Lebenden fernzuhalten.

Die Unterwelt der Hethiter

Die Vorstellung vom Jenseits waren unter den Hethitern nicht einheitlich und werden unterschiedlich dargestellt. Was alle diese Vorstellungen jedoch gemeinsam haben ist, dass die Welt der Toten fern im Westen lag.

Die Hethiter scheinen die Vorstellung der Unterwelt geteilt zu haben, wie sie auch von den Mesopotamiern bekannt ist.
Diese lag tief unter der Erde und war in ihrer Vorstellung ein schrecklicher Ort, an welchem die Toten sich von Erde und schmutzigen Wasser ernähren mussten und sich in einem Zustand befanden, in welchem sie die Menschen die sie im Leben kannten nicht mehr erkennen können.
Die Hethiter nannten diesen Ort Tenawa und hier her kamen die Toten, deren Seelen nach dem Tod nicht vollständig den Übergang von der Welt der Lebenden in die Welt der Toten hatten vollziehen können.
Für den vollständigen Übergang in die Welt der Toten scheinen vier Tiere eine wichtige Rolle gespielt haben. Bienen, ein Adler, der Laḫanza Vogel und der Ḫuwalaš Fisch. Diese gaben der Seele alles was diese benötigte um Perfektion und somit Vollständigkeit zu erreichen.

Will man Tenawa mit der Hölle vergleichen, dann ist das Gegenstück zum Himmel in der Vorstellung der Hethiter eine Viehweide, auf welcher die Seelen der Toten als Hirten und Bauern lebten.

Quellen

Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia, Wiesbaden 2009

Volkert Haas , Heidemarie Koch: Religions of the ancient Orient: Hittites and Iran, Göttingen 2011

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